Leben in einer Konsumgesellschaft

Das Weltbild einer 'Konsum-Gesellschaft'

Man sagt, wir leben in einer Konsum-Gesellschaft.werbung_small

Was ist das für ein Weltbild, was ist das für ein Bild von meiner Beziehung zu dieser Welt, das dem zugrunde liegt?

Es ist ein Bild einer Welt, die ich als ein großes 'Es' betrachte, als etwas von mir Getrenntes, außerhalb von mir, halt irgendein Ding, hauptsächlich bestehend aus toter Materie. Irgendwann ist durch einen großen Zufall das Ding selbst und dann auf diesem Ding das Leben entstanden und durch viel Zeit und eine lange Reihe weiterer Zufälle bin halt irgendwann auch ich hier gelandet.

So what?

 

Die Perspektive des 'Verbrauchers'

Da das Ganze aus dieser Perspektive keinen größeren 'Sinn' enthält (und manchem selbst die Frage nach einem Sinn sinnlos erscheint) ist auch eine Haltung, in der ich die 'Rohstoffe' der Erde und selbst das tierische und pflanzliche Leben darauf als 'Ressourcen' betrachten und verbrauchen (konsumieren) darf, nur einleuchtend. Natürlich sollte ich mit den Ressourcen einigermaßen sorgsam umgehen, damit ich sie nicht aufbrauche und mir (und meinen Nachkommen) so die Lebensgrundlage entziehe. Aber selbst diese eigentlich recht schlüssige Haltung ist so weit verbreitet leider nicht.

Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft benehmen sich dann doch eher wie gute Verbraucher, lassen sich von der allpräsenten Werbung erzählen, was sie noch alles ver-brauchen könnten und konsumieren so munter physische wie auch lebende 'Ressourcen' unserer Erde. Je schneller der Prozess von der 'Entnahme' einer Ressource über die Herstellung zu einem Produkt zur 'Entsorgung', desto besser floriert unsere Wirtschaft.  Je mehr ich konsumiere, desto besser, desto glücklicher werde ich sein. Oder?

Ist da vielleicht doch etwas faul an diesem 'modernen' Weltbild?

 

Sind wir wirklich getrennt?

Was wir langsam (wieder-)erkennen dürfen ist, dass wir nicht getrennt sind von dem Universum, der Erde, von allem Leben auf der Erde. Eigentlich haben wir das schon mal 'gewusst'. Wir haben es nur wieder vergessen. In der vor-wissenschaftlichen Zeit hatten die Menschen noch ein ganz natürliches Gespür für die Verbundenheit mit und die Abhängigkeit von Allem. Sie erlebten sich noch viel mehr ungetrennter Teil der Natur.

Was ist da schief gegangen? Müssen wir jetzt wieder zurück zu den 'alten Zeiten'?

Nein, zurück ist nicht die richtige Richtung. Trotzdem ist etwas schief gegangen mit dem Einzug des Rationalismus in unsere Welt. So richtig und wichtig es war, die alten Geschichten über die Entstehung der Welt (z.B. die christliche Schöpfungsgeschichte) als Mythen zu entlarven und ihnen eine 'vernünftige', 'rationale' neue Sicht gegenüberzustellen, so sehr haben wir damit die Welt aber auch entzaubert, ihr ihre Magie und leider auch ihren Sinn genommen. Wir haben die Evolution reduziert auf eine Ansammlung von Zufällen und das Überleben des Stärkeren. Wir haben unsere Realität reduziert auf das, was wir mit den Mitteln unserer (Natur-)Wissenschaften erklären können. Was Wissenschaft nicht erklären kann, gibt es folglich auch nicht. Nur - erfassen wir damit unsere Realität denn wirklich vollständig? 

Steckt denn nicht vielleicht doch in den alten spirituellen Traditionen ein Stück Weisheit, die wir aus einer neuen, einschließenden Perspektive (wieder) in Betracht ziehen sollten? Nicht, indem wir unsere wissenschaftliche Sicht und Vernunft über Bord werfen und wieder 'zurück zu den guten alten Zeiten' gehen (die so gut in vielen Fällen gar nicht waren), sondern indem wir das Wahre und das Gute aus beiden Betrachtungsweisen umarmen und zu einem Gesamtbild integrieren.

Alles in dieser Welt ist 'völlig frei von unabhängiger Eigenexistenz' (wie es im Buddhismus heißt). Oder einfacher: alles ist miteinander verbunden. Auch ich bin nicht getrennt, bin Teil eines größeren Ganzen. Wie eine Zelle in einem größeren Organismus.

 

Was können uns die Wissenschaften über uns zeigen?

universe3Wenn wir genau hinschauen, insbesondere die Erkenntnisse der letzten Dekaden wissenschaftlicher Forschung einbeziehen und sie nicht nur in unseren Verstand, sondern tief in unser Herz sinken lassen, dann stehen wir plötzlich staunend und ergriffen mitten in einem Bild eines lebenden Universums. Nicht nur wir selber, nicht nur die Erde scheint lebendig zu sein, das Universum als Ganzes ähnelt doch viel mehr einem lebenden Organismus als einem Haufen toter Materie. Und wir sind ein untrennbarer Teil davon! Wir sind buchstäblich "Sternenstaub, der über sich selber nachzudenken beginnt" (Carl Sagan).

So wird aus dem großen 'Es' da draußen plötzlich ein großes 'Du'. Mit demütigem Staunen werde ich des Wunders der Evolution und der kreativen Dynamik des Lebens gewahr, dessen Teil ich sein darf. Wunder hat es nicht nur zu den Zeiten der Entstehung der Religionen gegeben. Die ganze mich umgebende Realität ist Wunder-voll!
Oder wie sonst könnte man es nennen, wenn "aus einer großen Wolke Wasserstoffgas in 14 Mrd. Jahren Giraffen, Rosenbüsche und Menschen werden"? (Brian Swimme)

 

Meine Rolle in diesem Universum...

Aus dieser Perspektive realisiere ich aber auch die Verantwortung, die Rolle, die ich als 'Zelle' dieses gesamten Organismus habe. Mir wird bewusst, dass ich ein aktiver Teil dieser Evolution bin. Ich beeinflusse den Verlauf der Evolution. So oder so, unbewusst oder bewusst. Es ist nicht egal, wie ich mich entscheide und wie ich mich in und gegenüber dieser Welt verhalte. Meine Aufgabe kann eben doch darin bestehen, möglichst viel zu konsumieren, sondern meinen Beitrag zu leisten für das Gedeihen des Ganzen. (Nur) wenn es dem Ganzen gut geht, geht es auch mir gut.

Und wenn ich das wirklich verinnerliche, nicht nur als ein nettes esoterisches Konzept annehme, sondern zu einer Leitschnur für meine er- und ge-lebte Realität werden lasse, dann werden sich auch meine Entscheidungen, dann wird sich auch mein Verhalten verändern. Dann verhalte ich mich vielleicht endlich nicht mehr wie eine Krebszelle, die gerade ihren Wirt verspeist, sondern kann mich im besten Fall vielleicht sogar zu so etwas wie einer Immunzelle in einem gesunden Organismus entwickeln.

Und so dazu beitragen, dass es auch für meine Kinder und Enkelkinder eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft auf unserem Planeten gibt.